IP-Anwältin bei Taylor Wessing: Ein Erfahrungsbericht aus dem Arbeitsalltag

Von Katharina Reuer, Hamburg

Nachdem ich mein Jura-Studium in Hamburg und ein Masterprogramm an der Universidad Complutense de Madrid absolviert hatte, stand ich vor der üblichen Frage, wo die Reise hingehen soll und welche Weichenstellung mir schon das Referendariat für meine berufliche Zukunft liefern könnte.

Ich wusste, dass sich einer angehenden Volljuristin zukünftig ein breites Spektrum an Möglichkeiten bietet, und ich hatte bis dahin noch keine klaren Vorstellungen darüber, ob ich beispielsweise Richterin, Staatsanwältin oder lieber Anwältin in einer Boutique oder Großkanzlei werden möchte oder vielleicht Syndika in der Rechtsabteilung eines Unternehmens.

Zwar hatte ich schon während des Studiums zwei Praktika bei Anwaltskanzleien in Berlin und Hamburg absolviert, die ein großes Interesse am Anwaltsberuf bei mir geweckt haben, aus denen sich jedoch noch keine fachliche Spezialisierung herausgebildet hatte.

Ich wusste bis dato nur, dass ich weder Straf- noch Familienrecht in der Praxis machen wollte. Ich hatte mir daher vorgenommen, das Referendariat dafür zu nutzen, mir die Bandbreite des Berufsfeldes so umfassend wie möglich anzuschauen, wobei auch die Station in einer Großkanzlei nicht fehlen sollte.

Ehrlicherweise dachte ich damals, dass eine Großkanzlei für mich nur etwas zum «Ausprobieren» sei und ich allenfalls die ersten zwei Berufsjahre dort verbringen würde. Es ist anders gekommen: Ich bin seit dreieinhalb Jahren bei Taylor Wessing in Hamburg im Praxis-Bereich «Intellectual Property» (IP) und habe selbst schon zwei Referendare und sechs Praktikanten ausgebildet. Mittlerweile bin ich Senior Associate, sitze im 17. Stock unseres Glasturms mit Blick auf den Hamburger 
 Hafen und durfte seit meinem Start bei Taylor Wessing die Fertigstellung der Elbphilharmonie von meinem Bürofenster aus genau beobachten – ein Ausblick, den ich nicht mehr wegzudenken vermag.

Schwerpunkt Markenrecht

Wer sich bei Taylor Wessing auf den IP- Bereich spezialisiert, setzt sich mit spannenden Rechtsfragen aus dem Marken- und Wettbewerbs- sowie dem Urheberrecht auseinander.

Ein Schwerpunkt meines Arbeitsalltags liegt im Markenrecht. Um Markenrechte wird viel gestritten und Marken werden in allen Branchen gebraucht. Mode, Schmuck, Autos, Games oder Lebensmittel – eine große internationale Kanzlei wie Taylor Wessing ermöglicht mir, für Mandanten aus den unterschiedlichsten Branchen zu arbeiten und diese in spannenden Gerichtsverfahren und außergerichtlichen Auseinandersetzungen zu vertreten.

So habe ich mich inzwischen beispielsweise – und natürlich rein beruflich – zur Expertin für schottischen Whisky und mexikanischen Tequila entwickelt. Bei diesen Mandaten geht es jeweils um den Schutz einer sogenannten geografischen Herkunftsangabe, nämlich «Scotch Whisky» einerseits und «Tequila» andererseits, auf dem deutschen und europäischen Markt. Gemeinsam mit unseren Mandanten ist es uns bei Taylor Wessing zum Beispiel gelungen, im letzten Jahr eine große Lieferung  einer fälschlich als «Tequila» deklarierten Spirituose vom Hamburger Zoll beschlagnahmen und unter Anwesenheit der  mexikanischen Botschafterin vernichten zu lassen.

Insbesondere der Aspekt der Bandbreite der Produkte, mit denen man als Marken- und Wettbewerbsrechtler bei Taylor Wessing befasst ist, bereitet mir großen Spaß und bietet eine sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der sich immer wieder neue Herausforderungen und interessante Rechtsfragen stellen. Derzeit befassen wir uns zum Beispiel in einem streitigen Verfahren mit Rechtsfragen zur Auslegung einer EU-Verordnung und dürfen im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens den Rechtsweg bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg beschreiten – ein Highlight für jeden Anwalt.

Einen echten Kontrast hierzu bildet sicherlich mein regelmäßiger Besuch der jährlich in Köln stattfindenden weltweit größten Messe für Video- und Computerspiele, der Gamescom, der mir von meiner Mentorin ermöglicht wird, weil wir bei Taylor Wessing auch eine große Zahl von Mandanten aus der Games-Industrie beraten.

Solche Einblicke in die Branche sind wichtig, um neue Produkte genau im Blick zu behalten, um vorausschauend zu erkennen, welche rechtlichen Anforderungen und Komplikationen mit diesen neuen Entwicklungen auf unsere Mandanten zukommen. Mir persönlich bereitet es große Freude, immer mal wieder auch Neuland zu erschließen und als Anwältin rechtliche Lösungen zu entwickeln.

Der Zusammenhalt im Team

Durch meine frühe Spezialisierung auf das Marken- und Wettbewerbsrecht schon während des Referendariats in einer anderen Großkanzlei im Bereich IP in Hamburg und Alicante sowie einer Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Hamburger IP- Boutique brachte ich bei meinem Einstieg bei Taylor Wessing 2013 eine solide Grundlage mit, um rasch ins Tagesgeschäft einsteigen zu können. Ich war erstaunt, wie schnell man mit den Mandanten persönlich in Kontakt tritt und eigenverantwortlich arbeitet. Und wie viel Wert Taylor Wessing darauf legt, Einsteiger schnell ins Team einzubinden.

Das gilt nicht nur für Berufsanfänger, sondern auch Referendare, die bei uns von Beginn an aktiv mitarbeiten und dabei von einem erfahrenen Mentor begleitet werden. Ebenso wie die Associates werden die Referendare bei Taylor Wessing von Mentor und Team bei ihrer fachlichen und persönlichen Entwicklung unterstützt. Neben dem persönlichen Training on the Job haben Referendare bei Taylor Wessing die Option, an dem Ausbildungsprogramm «RISE» teilzunehmen. 

Eine gute Atmosphäre und Spaß an der Arbeit sind allen bei Taylor Wessing sehr wichtig. Daher sind hier auch die Referendare dazu eingeladen, an Social Events wie Kanzlei-Festen und anderen -Veranstaltungen teilzunehmen oder sich als Teammitglied bei sportlichen Events wie Fußballturnieren, dem HSH- Nordbank- Run, Ruderregatten oder dem wöchentlichen Ruderkurs auf der Alster einzu bringen. 

Ich habe während meiner ersten Berufsjahre bei Taylor Wessing stark vom 
 täglichen Austausch mit meiner Mentorin und dem IP- Team profitiert und dies gilt auch heute noch. Dabei werde ich von einer Partnerin betreut, die mir den  Besuch externer Fortbildungsseminare und -veranstaltungen einerseits sowie Networking-Events andererseits nicht nur ermöglicht, sondern auch anregt. Diese Erfahrungen geben wir gern an Praktikanten und Referendare weiter und unterstützen sie bei der Entwicklung ihrer Karriere. Daher pflegen wir auch über die Stationszeit hinaus guten Kontakt mit unseren Referendaren und Praktikanten, sofern dies gewünscht ist. 

Meiner persönlichen Erfahrung nach kann es vorteilhaft sein, sich seinen Wunscharbeitgeber schon im Rahmen einer Station im Referendariat oder einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter anzusehen. Ich habe mir im Laufe meiner Ausbildung insgesamt sechs verschiedene Kanzleien im In- und Ausland angesehen, was mir sehr dabei geholfen hat, herauszufinden, welche fachlichen Schwerpunkte ich setzen möchte und welche Aspekte aus meiner Sicht einen guten Arbeitsplatz ausmachen.

Denn eines ist klar: Ich verbringe viel Lebenszeit hier im Büro. Für mich stimmt das Gesamtpaket bei Taylor Wessing: Ich kann meine juristische Expertise in der Praxis weiterentwickeln und schätze das Arbeitsumfeld, das mich persönlich fördert und anspornt. Die Arbeit bereitet unglaublich viel Freude, ist  anspruchsvoll und abwechslungsreich. Meine Erfahrung bisher ist zudem: Wer hier engagiert und mit Eigeninitiative dabei ist, hat viel Gestaltungsspielraum und wird bei seinen Vorhaben auch gut unterstützt. Hinzu kommt ein mir persönlich sehr wichtiger Punkt: das gute Arbeitsklima im gesamten Büro und der starke Zu sammenhalt unter den Kollegen, mit denen ich gern Zeit verbringe und nach getaner Arbeit auch mal das eine oder andere Bier trinke.

Katharina Reuer ist Mitglied der Practice Area «Trademarks, Advertising & Design». Ihr Tätigkeitsfeld erstreckt sich neben der Beratung bei außergerichtlichen Auseinandersetzungen sowie der Prozessvertretung in Marken-, Wettbewerbs-  und Urheberrechtsstreitigkeiten speziell auf die Betreuung von deutschen, europäischen und internationalen Markenanmeldungen sowie die Durch führung von Widerspruchs- und Beschwerdeverfahren vor dem Deutschen Patent- und Markenamt und dem Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum.

Bild: Pixabay

Beck'scher Referendarführer 2017/2018