Vom Wandel profitieren: Legal Tech Kompetenzen als Schlüssel zum Erfolg im technologisierten Rechtsmarkt

von Arkadiusz Rzepka und Alexander Scheel

Die juristische Berufswelt wandelt sich tiefgreifend durch technologische Entwicklungen, globale Vernetzung und komplexere regulatorische Anforderungen. Anwaltskanzleien stehen unter Druck, ihre Leistungen effizienter, transparenter und kostengünstiger anzubieten – und das in rasantem Tempo. In dieser Transformation stellt sich für junge Juristinnen und Juristen die Frage, wie sie ihre Karriere strategisch ausrichten können, um langfristig erfolgreich zu sein und die Chancen der Digitalisierung zu nutzen.

Dieser Beitrag beleuchtet, welche Fähigkeiten und Kompetenzen junge Juristinnen und Juristen entwickeln sollten, um in einer technologiegeprägten Welt zu bestehen. Dabei geht es um Fragen wie: Warum verändert Technologie das Berufsbild so stark? Welche neuen Kompetenzen sind entscheidend? Wie passt man die Karriereplanung an digitale Anforderungen an? Und: Wie können Kanzleien den Wandel fördern, um jungen Talenten optimale Entwicklungschancen zu bieten?

Der Wandel des Berufsbildes - Technologie und Recht

Das anwaltliche Berufsbild hat sich durch moderne Technik stark verändert: Statt manueller Recherchen und Papierakten ermöglichen Cloud-Dienste ortsunabhängigen Dokumentenzugriff, KI-Anwendungen beschleunigen Analysen, und automatisierte Tools erleichtern die Schriftsatzerstellung und übernehmen repetitive Tätigkeiten. Zudem erwarten Mandanten zunehmend digitale Arbeitsweisen. Junge Juristinnen und Juristen haben hier eine besondere Ausgangsposition: Sie steigen in eine Branche im Umbruch ein und sind meist technikaffiner. Häufig bringen sie bereits Kenntnisse im Umgang mit digitalen Tools und grundlegende Programmierfähigkeiten mit.

Ob KI den menschlichen Anwalt ersetzt, bleibt umstritten. Experten gehen davon aus, dass KI und Automatisierungstools eher repetitive Aufgaben übernehmen. Die Stärken des Anwaltsberufs liegen weiterhin in komplexen rechtlichen Bewertungen, Verhandlungsgeschick und menschlicher Kommunikation. Der Fokus verschiebt sich hin zu anspruchsvolleren Aufgaben, die Kreativität und soziale Kompetenz erfordern. Bereits heute umfassen die Anforderungen der Kanzleien neben dem rein juristischen Fachwissen Kenntnisse in IT und Projektmanagement sowie eine Technikaffinität. Wer sich früh mit Künstlicher Intelligenz, Robotik, Legal-Tech-Tools oder Programmiersprachen befasst, ist im Vorteil.

Technologie ist aber nicht nur Werkzeug, sondern immer häufiger Gegenstand der Rechtsberatung. Datenschutz, IT-Sicherheit und KI-Haftung werden  wichtiger. Dadurch entstehen neue Karrierewege: von IT-Vertragsrecht über Datenschutz bis zu hybriden Rollen wie Legal Engineer. Schließlich gewinnt die internationale Zusammenarbeit an Bedeutung, da Technologie und Regulierung keine Grenzen kennen. Juristinnen und Juristen mit technologischem Know-how können in globalen Projekten Schlüsselrollen übernehmen.

Die Rolle von Legal Tech, Künstlicher Intelligenz und Prozessautomatisierung in der Kanzlei

Legal Tech umfasst Technologien, die die Arbeit von Rechtsabteilungen, Kanzleien und Gerichten erleichtern oder beschleunigen. Dazu zählen Tools für Dokumentenautomatisierung, Vertragsmanagement, E-Discovery und digitale Rechtsdienstleistungen. Besonders prägend sind Entwicklungen in Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotic Process Automation (RPA). Vier Ansätze stechen heraus:

Maschinelles Lernen (ML)

KI durchsucht Verträge und markiert relevante Klauseln, was Zeit spart und Fehler reduziert.

Generative KI (GenAI)

Erstellt Texte und erleichtert die Entwurfsarbeit an Schriftsätzen und Verträgen, wobei die juristische Überprüfung nötig bleibt.

Robotic Process Automation (RPA)

Automatisiert Routineaufgaben wie das Ausfüllen von Formularen, wodurch Anwältinnen und Anwälte mehr Zeit für komplexe Aufgaben haben.

AI Agents

Chatbots und digitale Assistenten organisieren Termine, beantworten Standardfragen und lösen Aufgaben bereits weitgehend selbständig.

Mit dem zunehmenden KI-Einsatz rücken Fragen zur KI-Compliance in den Fokus. Themen wie Datenschutz, Haftung bei Fehlentscheidungen, Transparenzpflichten und Vermeidung von Diskriminierung gewinnen an Bedeutung. Kanzleien müssen künftig Rechenschaft über ihren KI-Einsatz ablegen  – gegenüber Mandanten und Behörden.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor

Legal Tech Units und Digital Transformation Teams bieten Kanzleien große Chancen, juristische Arbeit durch den Einsatz von Legal Tech-Tools, Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung neu zu denken und effizienter zu gestalten. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit: Juristen, Programmiererinnen, Data Scientists und Projektmanager entwickeln gemeinsam Lösungen, die juristische Prozesse optimieren.

Damit solche Einheiten Wirkung entfalten, müssen neue Technologien aktiv in die Kanzleikultur eingebettet und von den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Frühzeitige Einbindung und regelmäßige Feedbackrunden fördern Vertrauen und verbessern Abläufe. Für junge Juristinnen und Juristen bieten solche Teams ideale Entwicklungsmöglichkeiten. Sie sammeln Erfahrung in agiler Projektarbeit und erwerben in Schulungen konkretes Anwendungswissen z.B. über Entwicklungsprozesse und Algorithmen. Dies alles stärkt das Vertrauen in digitale Lösungen und befähigt dazu, diese zielgerichtet im Kanzleialltag einzusetzen.

Skills und Kompetenzen für junge Juristinnen und Juristen

Welche Fähigkeiten brauchen junge Juristinnen und Juristen in der digitalen  Transformation? Die Anforderungen lassen sich in vier zentrale Bereiche gliedern: juristisches Fachwissen, technologisches Grundverständnis, Projektmanagement und unternehmerisches Denken.

Juristisches Fachwissen

Eine solide juristische Ausbildung bleibt unverzichtbar. Komplexe Sachverhalte rechtlich sauber zu analysieren und hochwertige Beratungsleistungen zu erbringen, bildet das Fundament. Ohne juristische Exzellenz nützt auch die beste Technologie wenig.

Technologisches Grundverständnis

Technologische Grundkenntnisse über Algorithmen, Datenbanken und Cloud-Lösungen werden immer wichtiger. Wissen über Chancen und Risiken von KI sowie Datenschutz und IT-Sicherheit hilft nicht nur bei der Nutzung von Legal-Tech-Lösungen, sondern auch bei der Beratung digitaler Geschäftsmodelle.

Projektmanagement

Internationale Mandate und Legal-Tech-Projekte erfordern die Zusammenarbeit mit IT-Experten, Mandanten und Behörden. Teamwork und strukturiertes Arbeiten mit agilen Methoden wie Scrum oder Kanban werden zum Wettbewerbsvorteil.

Unternehmerisches Denken

Effizienz, Kostenbewusstsein und Ergebnisorientierung sind gefragt. Ein Gespür dafür, wie juristische Beratung und Tech-Lösungen zur Wertschöpfung beitragen, ist entscheidend.

Digitaler Aufbruch in der Rechtsbranche: Die Zukunft ist jetzt

Die Digitalisierung ist keine Modeerscheinung, sondern revolutioniert den Rechtsmarkt grundlegend. Technologien wie Maschinelles Lernen, Generative KI und Robotic Process Automation verändern bereits jetzt die Arbeitsweise von Anwältinnen und Anwälten sowie die Erwartungen der Mandanten.

Für junge Juristinnen und Juristen heißt das: Neben exzellentem juristischen Fachwissen braucht es Offenheit und Bereitschaft zur technologischen Weiterbildung. Legal Tech und Automatisierung werden den juristischen Alltag dauerhaft prägen. Kanzleien müssen die passende Infrastruktur und Kultur schaffen, um diese Technologien erfolgreich einzuführen. Der digitale Wandel ist im Gange – wer jetzt investiert und Neues ausprobiert, wird langfristig profitieren. Das Zeitfenster für Wettbewerbsvorteile ist offen, aber nicht unbegrenzt.

 

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Über die Autoren:

Arkadiusz Rzepka - Leiter der Legal Tech & Digital Transformation Unit in der Wirtschaftskanzlei Görg
Er fördert er die Integration technologischer Innovationen. Sein Fokus liegt auf der Verbindung von Legal Tech, Künstlicher Intelligenz und Automatisierung, um den anwaltlichen Berufsalltag effizienter zu gestalten.

Alexander Scheel - Geschäftsführer der Ribota GmbH
Er unterstützt Kanzleien bei der Konkretisierung und Umsetzung Ihrer Digitalisierungsziele mit Robotic Process Automation und Künstlicher Intelligenz.