Karrierebeschleuniger Secondment – Mein berufliches und persönliches Wachstum

von Corinna Kusserow
Nach drei Jahren als Rechtsanwältin in einer international tätigen Wirtschaftskanzlei hätte ich mich auf Vertrautes verlassen können. Fachlich hatte ich mich eingelebt, war routiniert in den Arbeitsabläufen meines Arbeitgebers und hatte mir meinen eigenen Mandantenstamm aufgebaut. Doch plötzlich eröffnete sich mir die Möglichkeit, ein Secondment in einem Unternehmen zu absolvieren, das sich auf den Aufbau eines Vertriebssystems für deutsche Produkte in China spezialisiert hatte. Es war der Moment für ein radikales Umdenken.

 

Mein Ausflug in das Reich der Mitte

Ich begleitete deutsche Markenhersteller beim Aufbau ihres Vertriebs in den Freihandelszonen von Peking, Shanghai und Shenzhen. Dabei lernte ich nicht nur mich und das Unternehmen, bei dem ich das Secondment absolvierte, sondern auch China als Wirtschaftsstandort mit all seinen Besonderheiten kennen.

Die juristische Beratung fand in einem dynamischen, grenzüberschreitenden Umfeld statt. Ich arbeitete mit lokalen Regulierungsbehörden, interkulturellen Verhandlungspartnern und lernte viel über wirtschaftliche Interessen, Marktmechanismen und strategische Kommunikation. Oftmals spielte die klassische juristische Arbeitsweise, wie man sie aus der Kanzlei kennt, nur eine untergeordnete Rolle. Relevanter waren das Verständnis für komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und ein interkulturelles Fingerspitzengefühl.

Was waren die größten Benefits

Besonders geprägt hat mich das Arbeiten unter Unsicherheit. Ich lernte, komplexe Sachverhalte rasch zu erfassen, zwischen juristischen, kulturellen und sprachlichen Welten zu vermitteln und Verantwortung zu übernehmen. Rückblickend war das Secondment ein ideales Trainingsfeld für jene Fähigkeiten, die heute im internationalen Rechtsmarkt den Unterschied machen. Dabei muss ein Secondment nicht zwingend mit einem Auslandsaufenthalt verbunden sein, um den Perspektivwechsel zu ermöglichen. Auch ein Wechsel in ein Unternehmen vor Ort verändert den Blick und eröffnet neue Erfahrungsräume. Man versteht plötzlich die operativen Bedürfnisse der einstigen Mandanten. Fragestellungen, die zuvor abstrakt erschienen, werden konkret, greifbar und unmittelbar. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen anderer Fachbereiche wird zur täglichen Praxis. Man ist nicht mehr ausschließlich Problemlöser, sondern denkt strategisch und gestaltet aktiv mit. Eine völlig neue Arbeitsweise entsteht. Das präventive Handeln steht im Vordergrund. Und die Besonderheit: man berät nur einen Mandanten – und das viel intensiver.

Aber was bringt es dem Arbeitgeber?

Wer Berufsträgerinnen und Berufsträgern nicht nur fachliche Herausforderungen bietet, sondern auch unternehmerische Gestaltungsräume, stärkt Loyalität, Innovationskraft und Unternehmergeist. Die Gewährung von Secondments können als Ausdruck von Vertrauen gewertet werden und zeigen den Willen des Arbeitgebers, den Mitarbeitenden eine fachliche und persönliche Weiterentwicklung zu ermöglichen. Letztlich haben die neu gewonnen Netzwerke und Einblicke positive Auswirkungen bei der künftigen Zusammenarbeit. Es entsteht eine echte Win-Win-Situation, die angesichts des Fachkräftemangels an strategischer Bedeutung gewinnen dürfte.

Secondment als Katalysator der Karriere

Für mich war das Secondment weit mehr als ein vorübergehender Perspektivwechsel. Es wurde zum Katalysator meiner persönlichen und beruflichen Transformation. Zwischen rechtlicher Beratung, unternehmerischem Denken und kulturellem Neuland habe ich gelernt, anders zu handeln und neu zu denken. Dieses Wachstum auf allen Ebenen hat mich ermutigt, nochmals einen anderen beruflichen Weg einzuschlagen – einen Weg den ich womöglich nie gegangen wäre.

Mein Fazit

Ein Secondment ist keine bloße Unterbrechung des Berufsalltags. Es ist eine Einladung zur Neuverortung. Wer bereit ist, Vertrautes für einen gewissen Zeitraum hinter sich zu lassen, gewinnt nicht nur juristische Erfahrung, sondern unbezahlbare Einblicke auf dem beruflichen Lebensweg. Ich kann für mich ganz klar sagen, dass ich den Schritt jederzeit wieder gehen würde.

 

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Über die Autorin:

Corinna Kusserow - Volljuristin 
Sie arbeitetet seit mehr als sieben Jahre in einer international tätigen Wirtschaftskanzlei in Frankfurt. Heute verantwortet sie bei der Hays AG die strategische Vermittlung juristischer Fachkräfte und beschäftigt sich mit Karriereentwicklung für Juristinnen und Juristen. Parallel dazu absolviert sie berufsbegleitend ein EMBA-Studium an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz.