Die drei Stützpfeiler für Gleichgewicht und Erfolg in Ausbildung, Referendariat und Berufseinstieg

von Diane Manz

Als Juristin oder Jurist erfolgreich sein, das wünscht sich sicherlich jede oder jeder schon im ersten Semester des Jurastudiums. Aber was genau bedeutet das? Als Partnerin oder Partner in einer Großkanzlei ein Spitzengehalt verdienen? Oder bei einer NGO für wenig Geld die Welt retten?

Diese Liste ließe sich wahrscheinlich endlos fortführen, denn mit einem abgeschlossenen Jura-Studium steht einem mehr oder weniger die ganze Welt offen. Sagt man. Der große Anspruch, der dahintersteckt, verbunden mit einer harten und leider an manchen Ecken und Enden optimierungsbedürftigen Ausbildung, stellt Studierende und ReferendarInnen häufig vor regelrechte Feuerproben.

Harte Studienjahre für Jura-Studierende

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Mit allgemeinem Frust über das hohe Pensum und die mangelnden Kontrollmöglichkeiten fängt es an, stressbedingte körperliche und psychische Symptome werden so lange wie möglich ignoriert. Wenn die Note als gefährdet betrachtet wird, kommt die Panik vor der Einschränkung der Möglichkeiten, durch erhöhten Stress sinkt das Lernvermögen und im schlimmsten Fall erfolgt der Absprung noch vor dem zweiten Staatsexamen, so dass man dann mit zusätzlichen Schuldgefühlen zurückbleibt, es noch nicht einmal versucht zu haben, das Studium erfolgreich abzuschließen. Das war‘s dann mit der Karriere.

Und selbst von denen, die es durchziehen und ein Prädikatsexamen abliefern, schauen viele sehr kritisch auf ihre Ausbildungszeit zurück und beschreiben sie als enorm stressige und überwiegend unangenehme Zeit mit wenig Freude am Leben außerhalb von Lernen und Prüfungen. Und der Druck wird mit dem Berufseinstieg natürlich nicht weniger.

Bereit sein ist alles: Bewältigungskompetenzen früh erwerben

Grund genug, sich früh – also idealerweise bereits zu Beginn des Studiums – damit auseinander zu setzen, wie man diesem anhaltenden Druck adäquat begegnet und dadurch sowohl die eigene Lebensqualität während der Ausbildung steigert als auch die Chancen verbessert, die Karriere in die gewünschte Richtung voranzutreiben. Denn letztendlich entsteht der ungesunde Stress im Wesentlichen dadurch, dass es an Bewältigungskompetenzen in herausfordernden Situationen fehlt. Je mehr dieser Kompetenzen erworben werden, desto weniger stressig und damit auch weniger unangenehm werden die Herausforderungen empfunden. Der erfolgreiche Weg zur Gelassenheit gründet sich aus meiner Sicht auf drei Stützpfeiler.

1) Private und berufliche Ziele setzen

Wenn ich nicht weiß, wo ich hinwill, dann wird es mir auch sehr schwerfallen, den richtigen Weg zu finden. Darüber hinaus geben Ziele insbesondere in stressigen Zeiten eine Orientierung und sind eine wichtige Ressource bei der Bewältigung von Herausforderungen, indem sie einen handfesten Grund liefern, für den sich die Strapaze lohnt. Hier ist es aber auch wichtig zu reflektieren, ob man selbst- oder fremdgesteckte Ziele verfolgt. Letztere sorgen häufig sehr viel eher zu Unmut und mangelnder Motivation und seltener zu einer Karriere, die Spaß macht und sich gut anfühlt.

2) Reflektion und Stärkung des eigenen Selbstwertes

Damit verbunden ist eine Reflektion des eigenen Selbstwertes und die Frage „Wer bin ich und wer will ich sein?“ ein wesentlicher grundsätzlicher Meilenstein, der maßgeblichen Einfluss auf das Vorhanden- bzw. Nichtvorhandensein von überzogener und ungesunder Versagensangst hat. Wer sich bewusst machen kann, dass der eigene Wert nicht mit den Ergebnissen der Examina steht und fällt, hat weniger zu fürchten, geht mit mehr Selbstvertrauen ans Lernen heran und in die Prüfungen und kann im Zweifelsfall leichter einen Plan B erarbeiten. Darüber hinaus fällt auch der Berufseinstieg leichter, wenn ich weiß, was ich mir wert bin und dafür auch einstehen kann.

3) Annehmen der Realität

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Das Jurastudium ist eines der härtesten und sollte reformiert werden. Die Notengebung ist nicht transparent. Gestresst sein wird als Schwäche gesehen und tabuisiert. Frauen werden schlechter bewertet und haben dann noch schlechtere Aufstiegschancen. Ja. Das mag sein. Es bringt aber nicht weiter, damit zu hadern. Damit tritt man auf der Stelle und fühlt sich hilflos und ohne Kontrolle.

In dem Moment, in dem ich die Realität annehme und bereit bin, mit dem zu arbeiten, was da ist, kann ich auch Einflussmöglichkeiten fokussieren und, ohne dass der Frust das Denken vernebelt, das Beste daraus machen. Das heißt nicht, sich grundsätzlich mit den Bedingungen abzufinden – natürlich kann ich mich dafür einsetzen, dass Bedingungen sich in Zukunft ändern. Das wird aber wahrscheinlich erst den nächsten Semestern zugutekommen. Meine aktuelle Lage ist jetzt so wie sie ist.

An solchen und anderen hinderlichen Denkmustern, wie z.B. „Alles muss immer perfekt sein“ oder „Ich muss es immer allen recht machen“, lohnt es sich konsequent zu arbeiten. Je mehr förderliche Denkmuster entwickelt werden können, umso gelassener kann man an Herausforderungen herangehen und umso leichter können hilfreiche Kompetenzen erworben werden. Das ist der schwierige Teil. Der Rest ist Technik. Dadurch verändern sich zwar die Grundbedingungen in Studium, Referendariat und Berufseinstieg nicht, aber ich kann anders damit umgehen, habe höhere Chancen auf für mich wichtige Erfolge und ich bin zufriedener.

 

Über die Autorin:

Diane Manz
Dipl.-Psychologin und
systemischer Business Coach

www.brandung-consult.com