Weibliche Vorbilder: Dr. Julia Schneider und Dr. Maike Huneke über ihre Arbeit bei Menold Bezler

von Dr. Julia Schneider und Dr. Maike Huneke

Absolvent:innen schauen zu Recht nicht nur auf anspruchsvolle Mandate, eine gute Work-Life-Balance und eine freundschaftliche Arbeitsatmosphäre. Sie wollen mehr, und das ist gut so: Ihnen ist ebenso wichtig, Karriere und Familie vereinbaren zu können, und hierfür glaubhafte Vorbilder vorzufinden. Die Stuttgarter Mittelstandskanzlei Menold Bezler stellt in der JuS zwei von ihnen vor.

Frau Dr. Huneke, Frau Dr. Schneider, wie gelingt es Ihnen Ihre Karriere und Ihre Familie miteinander zu vereinbaren?

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Maike Huneke: Gegenfrage: Wie oft bekommen Männer diese Frage gestellt? Elternschaft leben mein Mann und ich in dem Selbstverständnis, dass wir beide für die Kinder zuständig sind. Das lässt uns beiden auch Raum für unseren Beruf. Wichtig ist außerdem, dass Teilzeitmodelle im Kolleg:innenkreis akzeptiert sind. Ein solches Vertrauen muss man sich verdienen, sich für die Dinge verantwortlich fühlen. In unserer Kanzlei erlebe ich große Flexibilität und ein kollegiales, vertrauensvolles Miteinander. Alles Weitere ist eine Frage der Energie und der Motivation. In meinem Alltag gibt es Nachmittage mit den Kindern in der Sonne, aber auch intensive Arbeitsphasen und Nachtschichten. Bestenfalls hält sich beides die Waage und ich ziehe aus Familie und Beruf wechselseitig meine Kraft.

Julia Schneider: Es ist immer Teamarbeit  – in der Kanzlei und zu Hause. Beruflich hilft  es, dass Menold Bezler Teilzeitmodelle auch auf Partnerebene bewusst fördert, und dass ich in einem motivierten Team mit Kolleg:innen arbeite, auf die ich mich 100 Prozent verlassen kann. Außerdem habe ich gelernt abzugeben und es auch zuzulassen ersetzbar zu  sein. Zu Hause ist es wichtig, dass Partner und Kinder auch mit einer »Working Mum« happy sind. Klingt eigentlich selbstverständlich, ist aber nach meinem Eindruck häufig noch nicht der Fall. Hier kann ich nur Mut machen durchzuhalten und nicht aufzugeben, auch wenn Entscheidungen hinsichtlich Wiedereinstieg oder Arbeitsumfang nicht immer auf Begeisterung stoßen. Mit der Zeit erkennt die Familie unsere Superkräfte und auch die Kinder sind dann richtig stolz auf ihre Mama. Ganz wichtig finde ich auch die eigene Einstellung, nämlich die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Karriere, vor allem Teilzeitmodelle, nicht als Fluch, sondern vielmehr als tolle Chance und Segen zu sehen.

Welche Angebote haben Sie für angehende Jurist:innen bzw. Absolvent:innen, um Ihre Kanzlei kennenzulernen?

Maike Huneke: Wir bieten zahlreiche Möglichkeiten,  mit unseren Kolleg:innen in Kontakt zu kommen, zum Beispiel beim regelmäßig stattfindenden Referendarfrühstück, Networking Events an Universitäten oder im  Rahmen unseres mehrtägigen Recruitingevents »Jurfixe«. Bei allen Veranstaltungen achten wir auf eine gemischte Besetzung, damit sich Absolvent:innen gleichermaßen angesprochen fühlen. Zudem gibt es zwei weibliche Referendarsbeauftragte, die unsere Referendar:innen während der Station vertrauensvoll begleiten.

Immer wieder hört und liest man davon, dass es gerade Nachwuchsjuristinnen an weiblichen Vorbildern fehlt. Welche Rolle haben Role Models denn in Ihrer Karriere gespielt und wer ist Ihr persönliches Role Model?

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Maike Huneke: Role Models zeigen, was möglich ist. Schon als Referendarin bei Menold Bezler durfte ich erleben, mit welcher Leidenschaft Julia als Mutter kleiner Kinder ihrem Beruf nachgeht. Diese Erfahrung war für mich ausschlaggebend, um mir selbst den Berufseinstieg mit Baby in einer Wirtschaftskanzlei zuzutrauen. Ich finde es wichtig, dass wir die Vielfalt der vertretenen Lebensmodelle sichtbar machen. Die Kanzleiwelt ist  hier schon viel weiter, als uns manches Stereotyp glauben lassen will. Allerdings spiegelt sich diese Diversität – jenseits einzelner leuchtender Vorbilder  – noch nicht selbstverständlich in den Entscheidungspositionen  und Partnerriegen wider. Umso mehr inspirieren diejenigen, die es »geschafft« haben.

Sie beide haben es angesprochen, es kann nur funktionieren, wenn auch der Arbeitgeber mitzieht. Inwieweit werden Frauen in Ihrer Kanzlei explizit gefördert?

Julia Schneider: Mit dem Thema Vereinbarkeit beschäftigen wir uns seit vielen Jahren erfolgreich: so waren wir eine der ersten Kanzleien in Deutschland, in denen es ein Eltern-Kind-Arbeitszimmer gab. Durch unsere Programme MB WOMEN und MB GROW sind wir vergangenes Jahr auch einen deutlichen Schritt bei der Karriereförderung unserer Kolleginnen vorangekommen. MB WOMEN ist seit 2021 das kanzleiinterne Netzwerk aller Berufsträgerinnen von Menold Bezler und steht für Female Empowerment. Dabei stehen Wissenstransfer, Vernetzung nach innen und außen sowie Inspiration im Fokus. Für dieses Jahr planen wir spannende Aktionen wie Lunchweeks sowie Gastbeiträge von Kooperationspartnern und inspirierenden Gästen.  Mit dem Programm MB  GROW möchten wir gezielt unsere Berufsträger:innen auf dem Weg in die Partnerschaft begleiten. Neben mehrtägigen Workshops etwa zu Geschäftsentwicklung, Leadership und Diversity lebt das Programm von der engen Begleitung durch das Kanzleimanagement und fördert unsere erfahrenen Associates damit ganz gezielt.

 

Über die Interviewpartnerinnen:

 

Dr. Julia Schneider ist Partnerin, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Gewerblichen Rechtsschutz. Sie ist tätig im Marken- und Wettbewerbsrecht. Daneben setzt sie sich als Junior-HR-Partnerin u.a. für die interne Vernetzung der Menold Bezler-Frauen ein. Sie ist seit 2007 bei Menold Bezler, hat drei Kinder und führt ihr Team in Teilzeit.

Dr. Maike Huneke ist Rechtsanwältin, Senior Associate und Teilnehmerin des MB GROW-Programms 2022/2023. Sie ist tätig im Bereich Dispute Resolution und leitet die interdisziplinäre Praxisgruppe Konfliktlösung. Sie ist während ihres Referendariats 2012 Teil von Menold Bezler geworden, hat drei Kinder und arbeitet flexibel an vier Wochentagen.