Die Fachspezifische Fremdsprachenausbildung (FFA) für Juristinnen und Juristen

Andreas Johannes Braun, M.A., LL.M., Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für internationales und vergleichendes öffentliches Recht

Wer sich nicht nur für ein Studium der Rechtswissenschaften, sondern auch für Fremdsprachen, andere Länder und Kulturen oder auch den Vergleich unterschiedlicher Rechtsordnungen interessiert, sollte bei der Studienortwahl darauf achten, das Jurastudium an einer Universität aufzunehmen, die eine Fachspezifische Fremdsprachenaus-bildung – kurz: FFA – anbietet.

Dieses Ergänzungsstudium wird inzwischen an mehreren Universitäten in Deutschland angeboten und bereichert das Studium in mehrfacher Hinsicht. Viele angehende Jurastudierende beherrschen zu Beginn ihres Studiums Englisch – und oft auch eine weitere Fremdsprache – auf hohem Niveau. Für das auf die deutsche Rechtsordnung fokussierte Studium werden diese Fremdsprachenkenntnisse allerdings selten benötigt und können mit der Zeit nachlassen.

Dies ist bedauerlich, auch weil gute Fremdsprachenkenntnisse für den späteren Berufsalltag immer häufiger wieder benötigt werden. Im FFA-Studium wird die erlernte Fremdsprache hingegen regelmäßig angewandt, weiter verbessert und um die Kenntnis spezifisch juristischer Fachbegriffe erweitert.

Einführung in neue Rechtsordnungen

Das Studium der FFA erschöpft sich aber nicht im Erwerb vertiefter Fremdsprachenkenntnisse, sondern führt auch inhaltlich in eine neue Rechtsordnung ein. An den meisten Universitäten wird mindestens eine Einführung in das Rechtssystem angloamerikanischer Länder, das sogenannte Common Law, angeboten.

An der Universität Münster können die Studierenden neben dem Common Law in englischer Sprache auch eine Einführung in das internationale Recht wählen oder die FFA in französischer und spanischer Sprache mit Einführungen in das jeweils entsprechende Landesrecht belegen.

Das FFA-Studium in Münster kann neben den Pflichtveranstaltungen des Jurastudiums absolviert werden. Es hat einen Umfang von 16 Semesterwochenstunden, wobei die Kurse in der Regel auf vier Semester verteilt werden und meistens auch zeitgleich mit Zwischenprüfung des Jurastudiums abgeschlossen sind. Drei der insgesamt acht Pflichtkurse sind Fachsprachkurse, die anderen fünf Kurse sind in der gewählten Fremdsprache unterrichtete juristische Kurse.

Einübung des juristischen Arbeitsalltags

Die juristischen FFA-Kurse vermitteln einen Einblick in die wesentlichen Merkmale des Vertrags- und Deliktsrechts oder auch des Verfassungs- und Verwaltungsrechts und ermöglichen damit nicht zuletzt auch den Vergleich mit dem deutschen Recht. Die hierbei deutlich werdenden Unterschiede erleichtern das Verständnis für das nationale Recht genauso wie für das EU-Recht, das von verschiedenen Rechtstraditionen geprägt ist und einen wachsenden Stellenwert in der juristischen Ausbildung erhält.

In den spezifischen Sprachkursen werden für den juristischen Arbeitsalltag typische Situationen eingeübt, beispielsweise das Plädoyer vor Gericht, und die Besonderheiten von Stellungnahmen, wissenschaftlichen Texten oder Gutachten erläutert, aber auch kulturelle Besonderheiten besprochen.

Die Kurse werden überwiegend von muttersprachlichen Juristinnen und Juristen und für den Fremdsprachen-unterricht qualifizierten Sprachlehrerinnen und -lehrern unterrichtet. Die Kurse vermitteln damit einen guten Eindruck vom Jurastudium an ausländischen Universitäten und bereiten daher auch auf ein Studium an einer ausländischen Universität im Rahmen eines ERASMUS-Semesters oder eines postgradualen Master-Studiums (LL.M., Maître en droit etc.) vor.

Internationale Arbeitserfahrung

Aber selbst wer nciht die Gelegenheit hat, für eine längere Zeit im Ausland zu leben und zu studieren, kann mit der FFA Auslandserfahrung sammeln. Denn Bestandteil des FFA-Studiums in Münsterist auch ein dreiwöchiges Auslandspraktikum, bei dem Studierende der FFA ihre Fremdsprachenkenntnisse im juristischen Arbeitsalltag unter Beweis stellen können.

Das Auslandspraktikum ist auf die dreimonatige praktische Studienzeit anrechenbar, die von den Studierenden im Rahmen des Jura- studiums bis zur Examensanmeldung ohnehin absolviert werden muss. Für sprachinteressierte Studierende ist das Studium der FFA in jedem Fall eine sinnvolle Ergänzung zum Jurastudium.

Aber letztlich kann allen Studienanfängerinnen und Studienanfängern geraten werden, ein solches Angebot zu nutzen. Denn neben den sprachlichen und fachlichen Interessen gibt es auch prosaische Gründe für das Studium der FFA. Bis zur Examensanmeldung muss von jedem Studierenden ein Fremdsprachennachweis erbracht werden, der FFA-Studierenden angerechnet wird.

Zudem erhalten Absolventinnen und Absolventen der FFA in mehreren Bundesländern bei der Anmeldung zur staatlichen Pflichtfachprüfung ein Freisemester bei der Berechnung der Studienzeit. Das bedeutet, die Anmeldung zum Freiversuch kann ein Semester später erfolgen. Die zuvor geleistete Mehrarbeit zahlt sich damit noch einmal aus, wenn es besonders darauf ankommt: in der Examensvorbereitung.

Andreas Johannes Braun, M.A., LL.M

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für internationales und vergleichendes öffentliches Recht,  Abt. I (Professor Dr. Gernot Sydow, M.A.) und Organisationsleiter der FFA an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

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