Der juristische Lebenslauf

von Alexander Vaupel, Neumann Legal

In der täglichen Arbeit haben Personalberater mit den unterschiedlichsten juristischen Lebensläufen zu tun. Die meisten erfüllen die üblichen Anforderungen weitestgehend, einige jedoch bleiben leider deutlich hinter diesen zurück.

Im Folgenden sollen keine allgemeinen Ratschläge hinsichtlich Überschaubarkeit, Lesbarkeit, vernünftiger Gliederung etc. erteilt werden. Vielmehr zielt dieser Beitrag darauf ab herauszustellen, welche Informationen unbedingt in den Lebenslauf eines Juristen gehören und welche entbehrlich oder gar unwichtig sind.

1. Kontaktdaten und Foto

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, finden sich leider nicht in jedem Lebenslauf die vollständigen privaten Kontaktdaten. Auch wenn diese im Anschreiben enthalten sein mögen, gehören sie unbedingt auch in den Lebenslauf. Kontaktdaten des aktuellen Arbeitgebers dagegen – überflüssig zu sagen – haben nichts im CV verloren.
Auch ein Bewerbungsfoto sollte dem Lebenslauf beigefügt sein, da dieser dann einfach einen besseren Eindruck macht.

2. Noten

Der Leser eines Lebenslaufs sucht bestimmte Informationen, die eine erste Einschätzung der Qualifikationen auf einen Blick ermöglichen sollten.
Bekanntermaßen spielen im Bewerbungsverfahren für juristische Berufe die Examensnoten eine ganz zentrale Rolle. Von sehr seltenen Ausnahmen abgesehen verbergen sich hinter nicht angegebenen Examensnoten eher (unter-)durchschnittliche als überdurchschnittliche Noten, so dass sich ein Bewerber, der diese Angaben unterlässt, damit keinen Gefallen tut. Allenfalls provoziert man unnötiges Nachfragen eines unter Umständen irritierten Personalentscheiders.

Insbesondere bei Nennung bestimmter Notenvoraussetzungen in Stellenanzeigen sollten diese unbedingt aufgeführt werden, und zwar am besten die exakte Punktezahl, wie sie auch im schriftlichen Examenszeugnis aufgeführt ist. In Fällen, in denen keine Notenvoraussetzungen erwähnt sind, ist ein Unterschlagen der Noten insbesondere bei zunehmender Seniorität weniger schädlich; allerdings wird üblicherweise doch nach den Examensergebnissen gefragt, so dass man zumindest die Note nennen sollte (also z. B.: befriedigend).

Die Noten der Zusatzqualifikationen (Dr., LL.M., FA etc.) sind übrigens im Gegensatz dazu eher unwichtig, sollten aber der Vollständigkeit halber auch aufgeführt werden.

3. Berufserfahrungen im Lebenslauf

Wer sich nicht für den Berufseinstieg bewirbt, sondern bereits „Post Qualification Experience“ gesammelt hat, sollte die Schwerpunkte seiner Tätigkeit stichpunktartig beschreiben. Diese Beschreibung gehört zu den wichtigsten Angaben im Lebenslauf! Aus dieser Darstellung bildet sich der Leser zu einem nicht unerheblichen Teil seine Meinung über den Kandidaten.
Die Ausführungen müssen aussagekräftig sein, dürfen allerdings den Rahmen nicht sprengen. Ausführliche Tätigkeitsbeschreibungen gehören in ein gesondertes Dokument, welches als Anlage beizufügen ist. Im Rahmen einer ausgewogenen Schwerpunktsetzung innerhalb des Lebenslaufs müssen die entsprechenden Ausführungen allerdings einen verhältnismäßig gewichtigeren Raum einnehmen als etwa die Aufzählung der Referendarsstationen.

4. Relevante Referendarsstationen

Je nach Stelle sollten zumindest die relevanten Stagen aufgeführt werden. Bewirbt sich ein Kandidat in der freien Wirtschaft, ist eigentlich nur von Interesse, bei welcher Kanzlei oder welchem Unternehmen er Einblicke hat gewinnen können. Insbesondere Berufseinsteiger sollten sich unbedingt auf die Frage einstellen, warum in keiner der Ausbildungsstationen eine Möglichkeit für den Berufseinstieg besteht bzw. angestrebt wird.

5. Nebentätigkeiten

Auch Nebentätigkeiten sollten nur bei Relevanz Erwähnung finden. Der Studentenjob z. B. in der Gastronomie ist gänzlich ohne Belang für das Profil eines Juristen. Derartige Tätigkeiten sollten höchstens dann aufgeführt werden, wenn sie als Überbrückung sonst entstehender Lücken im Lebenslauf dienen.

Interessant sind natürlich Nebentätigkeiten in Anwaltskanzleien, WP- oder StB-Gesellschaften, selbst wenn diese nichtfachlicher Natur waren. Sobald ein klarer Bezug zur Rechtsberatungsbranche erkennbar ist, sollte der Nebenjob aufgeführt werden.

6. (Lückenlose) Daten

Interessanterweise provozieren doch einige Lebensläufe in diesem Punkt Nachfragen. Zumindest solche Zeiträume, die zwei Monate übersteigen, sollten in irgendeiner Art und Weise (im Lebenslauf) erläutert werden.
Wer etwa über einen längeren Zeitraum arbeitslos war, scheut sich oftmals, dies zu offenbaren; doch macht eine Lücke im Zweifel einen schlechteren Eindruck als die Tatsache, auf Stellensuche gewesen zu sein. Vor zeitweiliger Arbeitslosigkeit ist niemand wirklich gefeit; Lücken im Lebenslauf jedoch lassen auf eine Tendenz zum Verbergen ungünstiger Informationen oder gar auf wenig gründliches Arbeiten schließen.

7. Sprachkenntnisse

Diese sollten gemäß der gängigen Nomenklatur mit „verhandlungssicher“, „fließend“, „gut“, „Grundkenntnisse“ beschrieben werden. Fehlt diese Bewertung, kann ein Leser die sprachlichen Fähigkeiten nicht einordnen und geht im Zweifel eher von bescheidenen Kenntnissen aus. Übrigens: Nicht mehr gesprochene Sprachen wie Latein oder Altgriechisch sind uninteressant und brauchen nicht aufgeführt zu werden.

8. Hobbys / Interessen

Der Sinn dieser Angaben erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Tatsächlich keine zwingende Notwendigkeit, empfiehlt es sich doch, einige aufzuführen. Einerseits ermöglichen sie dem Gesprächspartner während des Vorstellungsgesprächs daran anzuknüpfen, um etwa ungezwungen ins Englische überzuleiten. Andererseits sollte sich die Persönlichkeit nicht nur auf das Fachliche beschränken und weitere Facetten beinhalten. Dies rundet das Bild des Kandidaten ab.

9. Fazit

Der Lebenslauf ist das Aushängeschild des Kandidaten. Es ist unbedingt empfehlenswert, entsprechende Sorgfalt bei seiner Erstellung walten zu lassen, um diese Chance der Selbstpräsentation gut zu nutzen. Die Beachtung der obenstehenden Hinweise mag dabei helfen.

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Quelle NJW 28/2011