Traineeprogramm als Karriereeinstieg im öffentlichen Dienst

von Christina Wild

Beim Start in das Berufsleben denken viele Volljuristinnen / Volljuristen vor allem an den Anwaltsberuf oder eine Tätigkeit in der Justiz. Daneben bietet jedoch gerade der öffentliche Dienst in der Allgemeinen Verwaltung äußerst interessante und abwechslungsreiche Positionen für junge Juristinnen und Juristen.

In der hessischen Innenverwaltung beginnen die Volljuristinnen und Volljuristen ihre Karriere seit mittlerweile fast 20 Jahren mit einem 30-monatigen Traineeprogramm. In dieser Zeit haben bereits mehr als 250 Trainees dieses auf den verschiedenen Ebenen des Innenressorts durchlaufen und arbeiten mittlerweile in verantwortungsvoller Stellung von Abteilungsleitung über Dezernatsleitung in den unterschiedlichsten Behörden. Dabei sind die Tätigkeiten im Rahmen des Traineeprogramms so vielfältig wie die Aufgaben der einzelnen Dienststellen.

Die Bandbreite der Tätigkeitsfelder reicht von umfangreichen Genehmigungs- und Klageverfahren im Umweltbereich bei einem der drei Regierungspräsidien über arbeits- und beamtenrechtliche Verfahren bei den Polizeipräsidien bis hin zu der Erarbeitung von Gesetzesentwürfen im Hessischen Innenministerium.

„Spannende Fälle, viel Abwechslung und ein hohes Maß an eigenverantwortlichem Gestaltungsspielraum“ bescheinigt ein Trainee beim Polizeipräsidium Südhessen. „Mein Fazit für ein Jahr beim Regierungspräsidium: Verwaltung von der Pike auf gelernt, für viele Dezernate und in einer großen fachlichen Breite gearbeitet“ erinnert sich ein Trainee vom Regierungspräsidium Darmstadt. „Die Traineestation im Landesamt für Verfassungsschutz Hessen bietet mir die Möglichkeit, sehr nah am politischen Tagesgeschehen zu arbeiten. Besonders spannend ist daher, dass neben den rechtlichen Aspekten auch das Analysieren und Abwägen von gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen eine große Rolle spielt. Es bereitet große Freude, bei der Verteidigung der grundlegenden Werte unserer Verfassung mitwirken zu können“ freut sich eine Trainee beim LfV.

Neben den gesammelten fachlichen Berufserfahrungen wird die persönliche Weiterentwicklung im Rahmen des Traineeprogramms durch mehrtägige Fortbildungen in der Führungskräfteentwicklung und durch ein Mentoringprogramm gezielt gefördert. Außerdem lernen die Trainees die unterschiedlichen Dienststellen im Rahmen von Traineetagen kennen und können sich auch bei diesen Treffen gemeinsam austauschen.

„Durch das Traineeprogramm ist man sehr gut mit den anderen Juristinnen und Juristen in der hessischen Innenverwaltung vernetzt“ bestätigt ein Trainee im Hessischen Innenministerium.

Nach dem Ende des Traineeprogramms stehen den Trainees als Nachwuchsführungskräfte der Innenverwaltung alle Türen für eine erfolgreiche Karriere offen.

„Das Traineeprogramm des Hessischen Ministeriums des Innern und Sport ist eine tolle Möglichkeit, die Verwaltung mit ihren vielschichtigen und spannenden Bereichen kennenzulernen. In Zeiten des Umbruchs aufgrund herausragender Themen wie demographischer Wandel, Digitalisierung, Innere Sicherheit etc. bietet das Traineeprogramm die Chance, von Anfang an dabei zu sein und zusammen mit Traineekolleginnen und -kollegen den Umbruch mitzugestalten“ so ein Trainee im Hessischen Innenministerium.

Und wie steht es um die Work-Life-Balance im öffentlichen Dienst?

Mit den Gehältern von Großkanzleien ist die Besoldung im öffentlichen Dienst schwerlich zu vergleichen. Dafür ist aber auch die Arbeitszeit geringer und die Vorteile eines sicheren Arbeitsplatzes zeigen sich gerade auch auf längere Sicht.

Trainees werden bereits nach sechs Monaten verbeamtet (A 13 HBesG) und erhalten kostenlos ein hessenweites Landesticket für den Nahverkehr. Die gelungene Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Freizeit wird in der hessischen Innenverwaltung durch flexible Arbeitszeiten, verschiedene Teilzeitvarianten und die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice gelebt. Außerdem bieten wir Betreuungsplätze in einer landeseigenen Kindertagesstätte und ein eigenes Kinderferienprogramm.

Doch warum erst nach dem Ende des Referendariats zum ersten Mal die öffentliche Verwaltung von innen kennlernen?

Bereits während des Studiums besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines Praktikums erste Einblicke in den Arbeitsalltag einer Juristin / eines Juristen im öffentlichen Dienst zu erhalten und Referendare können bei vielen Behörden der hessischen Innenverwaltung im Rahmen des Referendariats die Verwaltungs- oder die Wahlstation absolvieren.

Über die Autorin:

Christina Wild
stellvertretende Referatsleiterin des Personalreferats
im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport
und für das Traineeprogramm verantwortlich

Quelle BECK Stellenmarkt 23/2019