Spezialisierung auf IP & Litigation

Dr. Friedrich Klinkert (Partner) und Dr. Thomas C. Körber (Associate), KLINKERT ZINDEL PARTNER, im Gespräch mit Bina Brünjes, Hays-Legal

Sie haben Anfang 2010 mit insgesamt acht Anwälten – vier Partnern und vier Associates – eine Sozietät mit dem Fokus auf Prozessführung und gewerblichem Rechtsschutz gegründet. Was waren die Beweggründe?

Klinkert: Ich arbeite seit 30 Jahren als Prozessanwalt im Bereich Intellectual Property; anfangs in einer überörtlichen deutschen Sozietät, dann für viele Jahre in einer internationalen amerikanischen Großkanzlei und zuletzt wieder in einer deutschen Sozietät. Da sammelt man Erfahrung und analysiert die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Konzepte. Diese Erkenntnisse und insbesondere der Wunsch, meine Vorstellungen ohne Kompromisse zu realisieren, mündeten in dem Konzept von Klinkert Zindel Partner. Ausschlaggebend für die Gründung war, dass ich Partner gefunden habe, die meine Vorstellungen zum Kanzlei-Konzept teilen und deren Expertise sich ergänzt: Johannes Zindel deckt insbesondere das Marken-, Vergabe- und Kartellrecht ab. Mit Dr. Marijon Kayßer habe ich – sie als Strafverteidigerin und ich von der zivilrechtlichen Seite – schon früher gerade im Bereich des Geheimnisverrats und Know-How-Schutzes erfolgreich zusammengearbeitet. Piet Bubenzer ist spezialisiert im Urheber- und Medienrecht. Ich selbst konzentriere mich zunehmend auf Patentverletzungsverfahren. Dass wir uns schließlich in einer amerikanischen Großkanzlei aus der direkten Zusammenarbeit kennen und schätzen, hat die Entscheidung zur neuen Partnerschaft natürlich begünstigt.

Was sind Ihre Erfahrungen mit anderen Kanzleikonzepten? Was läuft bei Klinkert Zindel Partner anders?

Klinkert: Uns verbindet der Ehrgeiz, fachlich exzellente und gleichzeitig effektive Arbeit zu leisten; dies in einer angenehmen, partnerschaftlichen Atmosphäre. Im ganzen Team – von den Assistenzen über die Associates bis hin zu den Partnern – soll „die Chemie stimmen“. Der mit einer großen Organisation einhergehende Administrationsaufwand ist oft auch für den Einzelnen enorm. Hinzu kommt die „Innenpolitik“: Intern wird um Mandate und Einfluss auf Entscheidungsprozesse gerangelt. Das bindet Zeit und Energie. Darunter leidet auch die Aufmerksamkeit für die Kollegen, Mitarbeiter und Mandanten. Ich nehme mir lieber Zeit, mit einem Associate meine Erfahrungen in der Litigation zu teilen, als in einer Großkanzlei Statusmeldungen für den nächsten Client Development Report zu schreiben oder einen Kollegen in einem US-Büro davon zu überzeugen, dass mein neues Mandat keinen „Business Conflict“ auslöst. Es steigert auch durchaus die Qualität, wenn ich in einer Cross-Border-Litigation dem Mandanten den aus meiner Sicht besten ausländischen Kollegen vorschlagen kann, ohne Rücksicht darauf, ob dieser derselben internationalen Sozietät angehört.

Was macht für Sie den Reiz aus, im IP & Litigation-Bereich zu arbeiten?

Körber: Wir arbeiten insbesondere in den Bereichen Lebensmittel, Pharma, Automotive, Chemie, Telekommunikation, Sport und für die Musik- und Unterhaltungsindustrie. Das sind bereits als solche hochinteressante Sachverhalte mit beeindruckenden Unternehmen und spannenden Produkten. An dieser Schnittstelle im Marken-, Muster-, Patent- und Urheberrecht sowie Kartell- und Vergaberecht oder im UWG zu arbeiten, ist außerordentlich reizvoll. Hinzu kommt die besondere Dynamik des in der IP häufigen einstweiligen Rechtsschutzes, geprägt von kurzen Fristen und schnellen Gerichtsentscheidungen.

Klinkert: Auch die interdisziplinäre Arbeit mit unseren Kollegen aus dem Wirtschaftsstrafrecht, etwa bei Betriebsspionage und Produktpiraterie, erweitert die prozessualen Möglichkeiten erheblich. Die häufiger auftretende Cross-Border-Litigation bringt einen an andere Rechtssysteme und mit ausländischen Anwälten und Mandanten zusammen.

Warum haben Sie, Herr Dr. Körber, sich der Sozietät als angestellter Anwalt angeschlossen?

Körber: Auch ich habe meine Erfahrungen in der Welt der internationalen Großkanzleien, wo ich vor meinem Start bei Klinkert Zindel Partner sechs Jahre gearbeitet hatte. Für mich ist neben einem angenehmen, insbesondere teamorientierten Arbeitsklima wichtig, eigenes Geschäft weiter aufzubauen. Die Voraussetzungen sind hier ideal. Der Zusammenhalt und die Verbundenheit mit der Kanzlei sind hier wesentlich stärker, da sich alle Mitarbeiter gut kennen und keine mit Großkanzleien vergleichbare Fluktuation herrscht. In fachlicher Hinsicht profitiere ich davon, dass die Sozietät nur Mandate im Bereich ihrer Expertise akzeptiert und ich daher meine Spezialisierung im gewerblichen Rechtsschutz unverwässert verfolgen kann. Dass wir in jedem Bereich von IP & Litigation einen Partner mit profunder Erfahrung und Expertise haben ist besonders und wir Associates profitieren davon enorm; auch meine Lernkurve wurde wieder steiler. Schließlich finde ich es angenehmer, dass mir bekannte und vertraute Kollegen über die Partnerernennung entscheiden und nicht ein Komitee in London oder New York, dessen Mitglieder mich nie gesehen haben.

Herr Dr. Klinkert, Sie haben sich bereits kritisch zu den mit Sozietätsgröße einhergehenden Problemen geäußert. Aber ist nicht auch die Größe eines Büros und damit dessen Schlagkraft gerade ein Vorteil für die Mandanten?

Klinkert: Sicher ist etwa in den USA Litigation im Wirtschaftsrecht in der Regel sehr personalintensiv und erfordert größere Sozietäten. Ähnliches gilt auch im Bereich Corporate/M&A. In unserem Bereich von IP & Litigation ist dies anders: Da ist es in Deutschland die Ausnahme, wenn mehr als vier Anwälte in einem Verfahren arbeiten. Das bilden auch die deutschen Büros der Großkanzleien ab: Eine ausschließlich auf IP & Litigation spezialisierte Practice Group von acht Anwälten, die lückenlos alle Bereiche des gewerblichen Rechtsschutzes abdeckt, muss man in einer Großkanzlei in Deutschland erst einmal finden. Da scheuen wir den Vergleich nicht.

Wie haben Ihre Mandanten den Schritt zur Neugründung aufgenommen?

Körber: Ausnahmslos positiv. „Wir arbeiten mit Anwälten, nicht mit Sozietäten“, habe ich häufig gehört und das trifft sicherlich im Bereich der Prozessführung im besonderen Maße zu.

Weshalb glauben Sie, dass Ihr Konzept erfolgreich sein wird?

Klinkert: Über solche „Glaubensfragen“ sind wir glücklicherweise hinweg: Das Konzept hat sich bereits bewährt, natürlich auch unterstützt von der Treue unserer Mandanten. Und wenn ich mir unsere Associates anschaue, bin ich zuversichtlich, dass unser Konzept Früchte tragen und noch lange fortbestehen wird.

Herr Dr. Klinkert, Herr Dr. Körber, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Foto oben: Chris/stock.adobe.com

Quelle NJW 42/2010