Online-Kommunikation für Rechtsanwaltskanzleien

von Angelika Jacobi-Kaulbach, Lockruf Akquisekontor

Wozu brauchen Rechtsanwaltskanzleien moderne Kommunikation? Rhetorische Frage – weil es ohne sie nicht mehr geht! Ihre Mandanten erwarten sie, Ihre Mitbewerber setzen sie ein. Dabei ist „modern“ gleichzusetzen mit digitaler, vernetzter Kommunikation.
Eine Kommunikation auf dem aktuellsten Stand unterstützt Arbeitsabläufe, macht vieles einfacher und schneller und lässt sich in bestehende Strukturen und Aktivitäten integrieren.

Ziele zeitgemäßer Kommunikation

Durch die Darstellung Ihrer fachlichen Kompetenz und die trennscharfe Ansprache einzelner Zielgruppen können Sie sich selber profilieren und von Mitbewerbern abgrenzen. Durch die leichte und kontinuierliche Erreichbarkeit sorgen Sie für eine höhere Zufriedenheit Ihrer Mandanten und bieten Neumandanten eine erste Anlaufstelle.

Wege zeitgemäßer Kommunikation

Die Präsenz im Internet ist die digitale Visitenkarte, mit der sich ein Rechtsanwalt oder eine Kanzlei präsentiert, bevor der erste persönliche Kontakt zustande kommt. Die eigene Homepage ist heute ein Muss, um mit Mitbewerbern und Konkurrenten mithalten zu können. Sie sind Dienstleister! Stellen Sie Ihre Kanzlei, die Berufsträger und Mitarbeiter sympathisch vor, geben Sie Ihre Kompetenzen und Durchwahlnummern an. Machen Sie Interessenten das Navigieren leicht, zeigen Sie ganz konkret, in welchen Rechtsbereichen Sie Ratsuchenden helfen können. Mit weiterführenden Links, aktuellen Tipps und Informationen – übersichtlich und verständlich präsentiert – werten Sie Ihre Seite weiter auf. Wichtig sind umfassende Kontaktmöglichkeiten: Seien Sie leicht erreichbar!
Achten Sie bei der Erstellung auf ein professionelles Erscheinungsbild. Die Investition in ein gutes Design, professionelle Fotos und eine zusammenhängende Bildsprache zahlt sich aus. Soziale Netzwerke bieten die Möglichkeit, das Anwaltsbüro gezielt zu vernetzen. Beispielsweise finden sich unter den Brancheneinträgen bei XING über 2.000 Unternehmen, die in der Rechtsberatung tätig sind. Hinzu kommen viele selbständige oder angestellte Einzelanwälte. Beiträge hier zahlen sich in Form von neuen Kontakten, inhaltlichem Input und dem Blick über den Tellerrand aus.
Bei Facebook entwickelt sich der Trend zu einer eigenen Firmenseite auch bei Anwaltskanzleien. Viele mittelständische Kanzleien nutzen diese Möglichkeit der Vernetzung bereits. Das Angebot an rechtlichen Foren und Blogs hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Gute Textbeiträge über die eigenen Fachgebiete steigern Bekanntheit und Reputation. So kann auch ein Einzel- oder Kleinunternehmer sein Profil schärfen und Kontakte zu potentiellen Mandanten herstellen.
Blogs sind der gesamten Internetgemeinde zugänglich. Wollen Sie aber einen bestimmten Adressatenkreis gezielt ansprechen, empfiehlt sich ein Newsletter. Er ist ein Werkzeug zur Mandantenbindung, wenn diese auf Ihre Dienstleistungen bereits aufmerksam geworden sind. Einen Newsletter versenden Sie an Ihren eigenen Verteiler; in diesem Medium können Sie also eigene Angebote vorstellen, Neues aus Ihrem Hause mitteilen und Mandanten mit Informationen zu aktuellen Themen einen willkommenen Service bieten.

Web 2.0-Kommunikation realistisch planen

Das Suchen und Finden relevanter Inhalte und das zielgruppenspezifische Formulieren ist eine zeitaufwendige Angelegenheit. Denn wenn Ihr Blog oder Newsletter die Lektüre lohnen soll, dürfen Sie nicht nur Urteile wiedergeben – Ihre Expertise ist gefragt: Für wen ist dieses Urteil von Bedeutung, was muss der Leser jetzt tun, welche Tipps gibt es?
Schreiben Sie für juristische Laien, ist Verständlichkeit oberstes Gebot – wer bisher nur für Fachkollegen formuliert hat, muss Zeit für’s Redigieren einplanen.
Kommunikation im Web 2.0 findet ständig statt. Ein Blog sollte regelmäßig gepflegt werden, Newsletter mindestens alle drei Monate erscheinen – alles andere wirkt unprofessionell.

Die Web-Akte

Mit der Web-Akte können Rechtsanwalt und Mandant online Akten einsehen und telefonisch besprechen. Vorteile sind weniger Terminstress und eine verkürzte Bearbeitungszeit. Dank Web-Akte können Sie Ihren Mandantenkreis geographisch erweitern – ohne Einbußen in der Betreuungsqualität. Der Zugriff auf die Akten rund um die Uhr schafft Transparenz und führt zu einem Dialog auf Augenhöhe.

Apps für Juristen

Apps für Smartphones sind eine Möglichkeit, sich über Neuigkeiten zu informieren und sich überdies als Kanzlei selbst zu präsentieren.
Für Juristen gibt es bereits Verwaltungs- und Informationsprogramme. Diese Apps sind nicht nur für Rechtsanwälte interessant: Auch juristische Laien suchen über das App-Angebot Informationen zu rechtlichen Themen.
Das Betreiben einer eigenen App kann als zusätzlicher Kommunikationskanal zur Neumandatierung genutzt werden. Durch das eigene eingebundene Logo wird der Wiedererkennungswert Ihrer Kanzlei verstärkt. Eine eigene App senkt zudem die Schwelle, sich bei Ihnen zu melden: Mit einem Klick kann der Interessent den Kontakt zu Ihnen aufnehmen.

Resümee

Online-Kommunikation bietet vielfältige Möglichkeiten der Vermarktung. Kleine und mittelständische Kanzleien können sich ohne großen finanziellen Aufwand von Mitbewerbern differenzieren und Neugeschäft generieren. Die Festlegung einer Strategie und die richtige Planung im Voraus sind dabei das „A und O“ – seien Sie sich Ihrer Zielgruppe bewusst und wählen Sie die Kommunikationskanäle, die zu ihr passen!

Quelle NJW 52/2011