Juristen in der Unternehmensberatung – Anforderungen, Aufgaben und Vergütung im Überblick

von Jan-Rasmus Schultz

Obgleich zahlreiche Unternehmensberatungsgesellschaften vornehmlich Wirtschaftswissenschaftler beschäftigen, kann eine beratende Tätigkeit in diesen Gesellschaften auch für Juristen von Interesse sein – und Juristen für Unternehmensberater. Diese fungieren als Ansprechpartner für eine Vielzahl von Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen und müssen daher mit einem möglichst breit gefächerten Fachwissen ausgestattet sein. In dieser Vielfalt der unterschiedlichen Fachgebiete liegt für viele Berufsanfänger zugleich der größte Reiz an dieser Tätigkeit, nämlich das fachgebietsübergreifende Zusammenwirken sämtlicher Mitarbeiter zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels in Verbindung mit der aktiven Begleitung der Unternehmen bei wirtschaftlichen Entscheidungen.

Das Anforderungsprofil

Um sich als Mitarbeiter in einer Unternehmensberatungsgesellschaft zu qualifizieren, sind neben einem guten bis sehr guten Abschluss vor allem persönliche Fähigkeiten wie eine herausragende Kommunikationsfähigkeit, Wortgewandtheit sowie Fremdsprachenkenntnisse, die idealerweise während eines Auslandsaufenthaltes erworben wurden, von Vorteil. Studenten der Rechtswissenschaften, die künftig als Mitarbeiter in einer Unternehmensberatungsgesellschaft tätig werden möchten, benötigen hierfür nicht zwangsläufig beide Staatsexamina. Sie können vielmehr bereits bei Vorliegen eines überdurchschnittlich guten Ergebnisses in der ersten juristischen Prüfung auf eine Einstellung hoffen, da die für das erste Staatsexamen erforderlichen Fähigkeiten zum abstrakten und strukturierten Denken einerseits sowie zum Einarbeiten in unbekannte Themenfelder andererseits ausschlaggebend für eine spätere beratende Tätigkeit sind. Dass Absolventen der Rechtswissenschaften über keine oder nur sehr oberflächliche betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen, die für eine Tätigkeit in einer Unternehmensberatungsgesellschaft essentiell und daher unabdingbar sind, stellt keinen Hinderungsgrund dar: Die Unternehmensberatungsgesellschaften schätzen das berühmte juristische Handwerkszeug und bieten (Diplom-) Juristen daher spezielle Crash-Kurse an, innerhalb derer die notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erworben werden können.
Allerdings sollten die künftigen Unternehmensberater stets auch die Fähigkeit aufweisen, erfolgreich in einem Team unterschiedlicher Mitarbeiter operieren zu können. Die Tätigkeit in einer Unternehmensberatungsgesellschaft erfordert, im Gegensatz zu einer Tätigkeit als Rechtsanwalt, regelmäßig einen reibungslosen Ablauf des fachgebietsübergreifenden Zusammenwirkens. Die Erzielung eines Erfolges ist nahezu ausschließlich in Teamarbeit möglich.

Die Aufgabenfelder in der Unternehmensberatung

Die Zielsetzung dieses fachgebietsübergreifenden Zusammenwirkens besteht regelmäßig in der Schaffung einer Verbesserung oder wenigstens der Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Lage des jeweils zu beratenden Unternehmens. Hierbei kann etwa die Frage zu erörtern sein, ob das Unternehmen im Sinne des wirtschaftlichen Erfolges eher expandieren oder aber Einsparungen vornehmen sollte, ob die Erschließung eines neuen  Geschäftsfeldes kostentragend umgesetzt werden kann oder ob betriebsinterne Prozesse optimiert werden können, um den Gewinn zu steigern. Für die Beantwortung dieser Fragen ist regelmäßig eine umfassende Analyse sowohl der Unternehmensstruktur als auch des jeweiligen Absatzmarktes erforderlich, wobei Fachkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen ausschlaggebend sein können. So kann, neben der stets erforderlichen Expertise eines Wirtschaftswissenschaftlers, in manchen Fällen beispielsweise auch die eines Mathematikers, eines Steuerberaters oder eines Agrarwissenschaftlers nützlich sein. Wendet sich etwa ein Versicherungsunternehmen an die Unternehmensberatungsgesellschaft, so sind regelmäßig auch juristische Fachkenntnisse, die über das grundlegende juristische Handwerkszeug hinausgehen, zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens erforderlich.

Vergütung und Arbeitsumfang

Wer sich als künftiger Unternehmensberater qualifiziert hat, kann auf eine solide Vergütung hoffen: Abhängig von der Qualifikation und der Abschlussnote sowie der Zahlungsbereitschaft der Beratungsgesellschaft des jeweiligen Bewerbers, kann dieser ohne einschlägige Berufserfahrung einem Jahresgehalt von durchschnittlich 45.000 bis 55.000 Euro entgegensehen. Bringt er einschlägige Berufserfahrungen mit, können schnell 10.000 bis 20.000 Euro hinzukommen. Als Senior Betriebsberater lockt sogar ein Gehalt von regelmäßig über 100.000 Euro. Studenten der Rechtswissenschaften, die einen Einstieg in eine Unternehmensberatungsgesellschaft anstreben, sollten berücksichtigen, dass Bewerber, die beide juristische Staatsexamina vorweisen können, höher vergütet werden als Bewerber mit nur einem Staatsexamen. (Mehr zum Gehalt von Richtern, Staatsanwälten und Anwälten lesen Sie hier.)
Der Grundsatz „ohne Fleiß kein Preis“ gilt allerdings im Bereich der Unternehmensberatung ebenso, wie bei einer klassischen juristischen Tätigkeit in einer Rechtsanwaltskanzlei. Eine geregelte 40-Stunden-Woche kann weder der Anwalt noch der Unternehmensberater erwarten. Letzter wird hierfür allerdings mit einem äußert abwechslungsreichen Arbeitsalltag entschädigt, der – Dank des direkten Kontaktes zwischen Berater und Unternehmen – nur selten am Schreibtisch stattfindet.

 

Über den Autor:

Jan-Rasmus Schultz
beschäftigt sich als Wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Lehrstuhl für Insolvenzrecht
an der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel regelmäßig mit wirtschaft-
lichen Problemlagen unterschiedlicher Unternehmen.

Quelle BECK Stellenmarkt 4/2019